Wertepolitik

Ein Plädoyer für mehr Werte in Politik und Gesellschaft

16.02.2013
von David Müller
2 Kommentare

Wie soll es hier weitergehen?

Das neue Design sieht gut aus, aber es unterstützt nicht alle Funktionen, die diese Seite vorher hatte.

Nach vielen Stunden des Experimentierens stelle ich mir gerade die Grundsatzfrage: Bringt’s das alles überhaupt?

Der Wunsch über christliche Werte in der Politik zu informieren und zu kommunizieren ist weiterhin da. Die praktische Umsetzung plätschert aber seit einigen Monaten mehr oder weniger “vor sich hin”. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Seite Auswirkungen hat.

Vielleicht wäre es ganz gut, einfach mal nichts zu machen, bis ich eine bessere Strategie habe, oder?

Ich bin offen für eure Ideen, wie man diese Seite sinnvoll und schlagkräftig nutzen kann.

06.02.2013
von David Müller
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Pressespiegel: Evaluation ehe- und familienpolitischer Leistungen

Die Hausfrau – weder Leitbild noch Feindbild

Wie misst man den Erfolg der Familienpolitik? Entscheidet er sich an der Zahl der Geburten oder an der Erwerbstätigenquote von Frauen?

Ein Gastbeitrag der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder

“Familien sind keine ökonomische Verfügungsmasse. [...] Es gibt in Deutschland genauso viele Familien, die ihre ein- und zweijährigen Kinder zu Hause betreuen wollen, wie es Familien gibt, die einen Kita-Platz brauchen. Ich empfinde es als eine Frechheit, den einen zu sagen, ihr macht es richtig, und den anderen, ihr macht es falsch.”

Zum Artikel in FAZ, 05.02.2013


Wie Kinder wieder zum Wahlkampfthema werden

Nach der Debatte über das Betreuungsgeld war es ruhiger um die Familienpolitik geworden. Nun brechen die Fronten anlässlich eines angeblichen Regierungsberichts wieder auf. Die SPD jubelt.

“Der Aspekt Zeit jedoch spielt in der Kosten-Nutzen-Analyse offenbar keine Rolle. Das Ideal ist eine Familie, in der beide Partner einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen (können). Vor diesem Hintergrund sind die Ganztagsschule und der flächendeckende Ausbau der Kita-Plätze nicht nur wichtig, um Familie und Beruf vereinbaren zu können – zum unausgesprochenen Zweck der Steigerung der Geburtenzahlen –, sondern vor allem die volkswirtschaftlich opportunen Maßnahmen: mehr Arbeitnehmer bedeuten schließlich mehr Wirtschaftsleistung.”

Zum Artikel in DIE WELT, 04.02.2013


Kulturkampf um die Abrichtung unserer Kinder

Die Sozialstaatsutopien von Rot-Grün blühen, und so sollen die zukünftigen Steuerzahler vom ersten Lebensjahr an herangezogen werden – nicht von sorgenden Eltern, sondern vom bevormundenden Staat

“In dem Kulturkampf geht es nur vordergründig um eine Entwertung traditioneller Familienmodelle. Es geht vielmehr um einen alten sozialistischen Traum, der Erziehung vor allem als Aufgabe des Staates begreift. Sozialdemokraten wie Hannelore Kraft, Heinz Buschkowsky oder Andrea Nahles wollen Kinder zügig in die Obhut von Kitas schicken, und die Grünen krähen mit im Chor derjenigen, die sich vor allem um die Abrichtung künftiger Steuerzahler sorgen.”

Zum Artikel in DIE WELT, 05.02.2013


Richter nennt Kindergeld “Rückgabe von Diebesgut”

Die Familienministerin verteidigt ihre Politik mit dem Hinweis, das Kindergeld sei “kein Almosen des Staates”. Ein Sozialrichter geht weiter: Für Familien werde noch viel zu wenig getan.

“Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat Kritik an der Familienpolitik der Bundesregierung scharf zurückgewiesen. “Ich betrachte Familienpolitik nicht wie ein Investmentbanker mit dem Ziel der Profit-Maximierung [...] Wirksamkeit ist immer eine Frage des Zieles. Und da sage ich ganz klar: Mehreinnahmen für die Staatskasse sind für mich kein Ziel von Familienpolitik.” Eine Familienpolitik, “die mehr auf den volkswirtschaftlichen Profit als auf den menschlichen Zusammenhalt setzt, ist mit mir nicht zu machen”.”

Zum Artikel in DIE WELT, 05.02.2013

Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de

31.01.2013
von David Müller
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Frauenerwerbstätigkeit – Eine Legende zerfällt

Über viele Jahre verging kaum eine Woche ohne die immer gleiche Pseudo-Nachricht zur Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland: Gazetten und Rundfunk „berichteten“, dass Frauen in Deutschland noch immer zu selten erwerbstätig seien. Anlass dafür waren Mitteilungen der OECD oder der Europäischen Kommission, die zufällig immer dann erschienen, wenn in Deutschland familienpolitische Entscheidungen anstanden. Der Tenor war stets derselbe: Die Bundesregierung müsse die Ganztagsbetreuung ausbauen, auf das Betreuungsgeld wie auch ein höheres Kindergeld verzichten und das Ehegattensplitting „reformieren“. Die separate Versteuerung der Ehepartner will die Kommission als „attraktivere Besteuerung von Doppelverdienern“ verkaufen; faktisch geht es darum, dass Millionen Einverdienerfamilien mehr Steuern zahlen sollten. Solche „Anreize“ – sprich: finanzieller Druck – seien notwendig, damit Deutschland endlich seinen „Rückstand“ – gegenüber vergleichbaren Ländern aufhole. Diese Botschaft hämmerten den Deutschen zahllose Artikel und Rundfunkbeiträge ein, bis sie jeder glaubte – oder zumindest kaum einer mehr widersprach.

Um die nüchterne Wahrheit der Zahlen scherte sich diese „Kommunikationspolitik“ nie sonderlich. Diese Wahrheit ist: Schon seit Mitte des letzten Jahrzehnts liegt die Frauenerwerbsquote in Deutschland über dem europäischen Durchschnitt und höher als in Frankreich, das damals ständig als „Best-Practice“-Beispiel der Vereinbarkeit von Beruf und Familie empfohlen wurde. In den Folgejahren hat die Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Spuren auf den Arbeitsmärkten hinterlassen: In den meisten EU-Ländern gingen zwischen 2007 und 2011 die Beschäftigungsquoten von Frauen zurück, während sie in Deutschland gegen den Trend weiter (+4,4%) anstiegen. Noch stärker als die Männer (+2,3%) profitierten damit die Frauen von dem international einzigartigen deutschen Arbeitsmarkterfolg. Mit diesem „Beschäftigungswunder“ ist Deutschland im „internationalen Ranking“ der Frauenerwerbsquote noch weiter nach vorn gerückt: Inzwischen erreicht sie fast das Niveau Dänemarks, das weltweit als Gleichstellungsvorbild firmiert. Diese Entwicklung belegen seit Jahren die Zahlen der europäischen Statistikbehörde, die jeder im Internet abrufen kann. Unbeschadet dessen wurde unentwegt weiter mit dem Mythos von der deutschen Rückständigkeit „Politik gemacht“.

Nach jahrelanger Dauerbeschallung fällt nun einschlägigen Medien auf, dass mit ihrem vermeintlichen Evergreen etwas nicht stimmt: „Deutschland holt bei der Erwerbsquote von Frauen offenbar schnell auf“ – so melden sie unter Berufung auf „Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft“. Die vermeintlichen neuen Erkenntnisse sind natürlich nichts anderes als die amtlichen Zahlen der europäischen Statistiker – die „IDAF“ in seinem ersten Newsletter 2013 bereits darstellte und analysierte. An diesen Zahlen verwundert die Journalisten der „Abstand“ zum europäischen Durchschnitt, den Deutschland weit (+6,4%) übertrifft. „Aufholen“ ist hier offensichtlich der falsche Ausdruck. Zutreffend wäre es darauf hinzuweisen, dass Deutschland das Niveau in Frankreich, Großbritannien und auch den USA  längst „überholt“ hat und die Frauenerwerbsquote heute zu den höchsten in der OECD-Welt gehört.

Warum feiern Politik und Medien diese Entwicklung nicht als Erfolg? Ein wesentlicher Grund dafür ist der Anstieg der Teilzeiterwerbstätigkeit von Müttern, der den Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitikern zuwider ist. Er widerspricht ihren Mobilisierungsplänen für den Arbeitsmarkt und ihrem Ideal gleicher Lebensverläufe von Männern und Frauen. Ihre  ideologische Agenda  werden sie daher weiter propagieren  – auch wenn dies der Wirklichkeit des Arbeitsmarktes einerseits  und den Wünschen von Eltern andererseits widerspricht.


Exemplarische Presseartikel zum Thema:
http://www.sueddeutsche.de/karriere/arbeitsmarkt-eu-mehr-jobs-fuer-frauen-in-deutschland-noetig-1.1106168;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frauenerwerbsquote-in-deutschland-steigt-auf-72-prozent-a-877300.html.

Informationen des Instituts der deutschen Wirtschaft zur Frauenerwerbstätigkeit:
http://www.iwkoeln.de/de/presse/veranstaltungen/beitrag/pressekonferenz-beschaeftigungs-und-karriereperspektiven-von-frauen-102502

Eurostat: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home/.

Frühere IDAF-Nachrichten zu den Frauenerwerbsquoten in Deutschland und Europa:
Nachrichten zur Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland im internationalen Vergleich:
http://altewebsite.i-daf.org/44-0-Woche-20-2008.html;
http://altewebsite.i-daf.org/323-0-Wochen-31-32-2010.html;
http://altewebsite.i-daf.org/453-0-Wochen-10-11-2012.html;
http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/article/absurdes-aus-bruessel-planen-gegen-vernunft-und-wirklichkeit.html.

Artikel mit freundlicher Genehmigung des Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.
Bild: Bernd Sterzl  / pixelio.de

26.01.2013
von David Müller
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Neue Töne im Familienreport

Die Familienförderung beträgt 55 Milliarden Euro. Sind auch die Medien lernfähig?

Fortschritt besteht immer auch darin nicht zu vergessen, was man schon einmal wusste. Zu dieser Einsicht führt die Lektüre des Familienreport 2012 der Bundesregierung. Darin heißt es: Der „Ausgleich zwi­schen Familien und Kinderlosen sowie zwischen Familien mit unterschiedlicher Kinderzahl ist eine zentrale Aufgabe der Familienpolitik“ (1). Die Sache ist eigentlich leicht einzusehen: Eltern haben für ihre Kinder Unterhaltslasten zu tragen, die für Menschen ohne Familienpflichten entfallen. Mit der Kinderzahl steigen dabei zum einen die Kosten für den Unterhalt und zum anderen entfällt Erwerbseinkommen, weil sich ein Elternteil auf die Familienarbeit konzentriert. Von dieser Arbeit profitiert die Allgemeinheit: Nach konservativen Berechnungen des IFO-Instituts macht der Staat mit jedem Kind etwa 80.000 Euro Gewinn (2). Um diesen Betrag übersteigen die Steuer- und Beitragszahlungen eines Kindes in seinem Lebensverlauf die den Eltern gewährten Leistungen. Kinderziehung ist also eine Leistung, die, wie das Bundesverfassungsgericht feststellte, „auch im Interesse der Gemeinschaft liegt und deren Anerkennung verlangt“. In ihren „Familienurteilen“ forderten die Richter den Gesetzgeber auf, Erziehungsleistungen stärker anzuerkennen und „die Benachteiligung der Familie” zu verringern (3).

Im Kern verlangten die Richter von der Politik nichts anderes, als dass diese ihre eigenen Ansprüche praktisch ernst nehme. Ein wirksamer „Familienlastenausgleich“ war über Jahrzehnte das programmatische Ziel der Familienpolitik aller Bundesregierungen (4). Das änderte sich mit dem Paradigmenwechsel zur sogenannten „nachhaltigen” Familienpolitik, den Renate Schmidt einleitete und Ursula von der Leyen nahtlos fortführte. Das Ziel war nun, dass Mütter erwerbstätig sein müssten – Wahlfreiheit zwischen Familien- und Berufsarbeit sollte es nicht mehr geben. Damit veränderte sich die Sicht auf die familienpolitischen Transferleistungen: Ihr Ausbau galt nicht mehr als ein gerechter Lastenausgleich, sondern als „Fehlanreiz“, der Mütter davon abhalte, erwerbstätig zu werden. Von anzuerkennenden Erziehungsleistungen war nicht mehr die Rede, stattdessen wurde es unter Politikern Mode, Eltern als erziehungsinkompetent und unverantwortlich zu diskriminieren: Immer wieder hieß es, dass Geldleistungen an Familien nicht bei den Kindern „ankämen“, sondern von den Eltern verschwendet würden (5). Der Staat sei  vertrauenswürdiger als die Eltern, weshalb das Geld auch in Ganztagsbetreuung „investiert“ werden müsse.

Um die angestrebte Umverteilung wissenschaftlich zu legitimieren, setzte das Familienministerium 2006 die Zahl von 180 Mrd. Euro Familienleistungen in die Welt. Zustande kam diese Zahl durch eine uferlos weite Definition von „Familienleistungen”, zu denen sogar die Kinderfreibeträge im Steuerrecht zählen sollten (6). Nach dieser Logik müssten dann auch Freibeträge für Kinderlose als „Single-Subvention“ gelten. Solche Ungereimtheiten hinderten die meisten Medien nicht, die 180-Mrd.-Zahl in unzähligen Meldungen bis heute zu verbreiten. Der Legende tut es auch keinen Abbruch, dass das Familienministerium seine Angaben längst korrigieren musste. Im neuen Familienreport ist von 125 Mrd. Euro „familienbezogener Leistungen“ die Rede, von denen nur 55 Milliarden als „Familienförderung im engeren Sinne“ zu bezeichnen seien (7). Interessanter noch als die Zahlen zur Familienförderung ist die veränderte Tonlage: Auch unter „schwierigen materiellen Voraussetzungen“, so wird betont, bemühten sich Eltern „gute Bedingun­gen für die Entfaltung ihrer Kinder zu schaffen“. Insbesondere Mütter verzichteten dafür oft auf die „Realisierung eigener Wünsche“ (8). Aus dieser Perspektive eines grundsätzlichen Vertrauens in Eltern erscheinen nun auch wieder Leistungen wie das Kindergeld als sinnvolle Instrumente eines Lastenausgleichs als „zentrale Aufgabe der Familienpolitik“.

In der Amtszeit von Kristina Schröder hat das Familienministerim also dazu gelernt und bewährte Einsichten wiederentdeckt. Fraglich bleibt, ob auch die Medien lernfähig sind: Bisher stricken sie weiter an der Legende vom Füllhorn der Familiensubventionen. Jede finanzielle Verbesserung  gilt  als „Fehlanreize“ – die Notwendigkeit eines Familienlastenausgleichs wird nicht mehr verstanden (9). Das ist das „nachhaltige“ Ergebnis der Öffentlichkeitsarbeit der Ministerinnen Schmidt und von der Leyen – zum Schaden einer rationalen Familienpolitik.


(1)   Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familienreport 2012. Leistungen, Trends, Wirkungen, Berlin 2013, S. 47.
(2)   Vgl.: Martin Werding/Herbert Hofmann: Die fiskalische Bilanz eines Kindes im deutschen Steuer-und Sozialsystem, ifo Forschungsberichte 27, München 2005, S. 34.
(3)   BVerfGE 87, 1 – 1 BvL 51/86 u.a. vom 07.07.1992; BVerfGE 99, 216 – 2 BvR 1057/91 vom 10.11.1998. Zusammenfassend zu den „Familienurteilen” des Bundesverfassungsgerichts: Deutscher Familienverband: Verfassungstreue bei der Anerkennung von Familienleistungen – Informationen zum Jahresschwerpunktthema 2006, Berlin 2006.
(4)   Vgl.: Stellungnahme der Bundesregierung zum Bericht der Sachverständigenkommission für den Dritten Familienbericht, S. 3-19, in: Die Lage der Familien in der Bundesrepublik Deutschland (Dritter Familienbericht), Bundestagsdrucksache 8/3120, Bonn 1979, S. 9. Stellungnahme der Bundesregierung zum Bericht der Sachverständigenkommission für den Vierten Familienbericht, I-XV, in: Der Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (Hrsg.): Die Situation älterer Menschen in der Familie (Vierter Familienbericht), Bundestagsdrucksache 19/6145, Bonn 1986, III-V.
(5)   Siehe hierzu: Stefan Fuchs: Staatliches Kindergeld – von den Eltern „versoffen”? http://www.erziehungstrends.de/node/603/.
(6)   Siehe hierzu: Stefan Fuchs: Der politische Kampf gegen die traditionelle Familie und die Erziehungsverantwortung der Eltern, http://www.erziehungstrends.de/Kompetenzzentrum/Familienleistungen.
(7)   Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familienreport 2012, a.a.O., S. 45.
(8)   Ebd., S. 51-52.
(9)   Exemplarisch hierfür ist die Polemik von Lutz Haverkamp: Familienpolitik. Geschützter Bereich, Tagesspiegel vom 20.1.2013 (nachzulesen unter www.tagesspiegel.de).

Mit freundlicher Genehmigung des Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.

Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de

19.01.2013
von David Müller
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Wie Betreuungsgeld-Gegner das Zuhause kleinreden

Das Betreuungsgeld wird oft auch abfällig als „Herdprämie“ bezeichnet.

Die familiäre Erziehung wird damit als altbacken dargestellt, dabei spielt sie in Deutschland immer noch eine entscheidende Rolle.

Der Streit um das Betreuungsgeld wird zum Kulturkampf, der die Bedeutung der Privatsphäre angreift. Das häusliche Leben soll auf einmal nicht mehr in die moderne Welt passen. In was für einen merkwürdigen Kulturkampf sind wir da geraten?

Ein Beitrag von Gerd Held in Die Welt-Online:
www.welt.de/debatte/kommentare/article112281600/Wie-Betreuungsgeld-Gegner-das-Zuhause-kleinreden.html

Gefunden bei: Familiennetzwerk

Bild: Rolf van Melis / pixelio.de

11.01.2013
von David Müller
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Eltern leisteten 101 Milliarden Unterhalt für ihre Kinder im Jahr 2012

München  - Der Familienbund der Katholiken in Bayern hat die finanziellen Leistungen der Eltern in Deutschland bilanziert. Ergebnis für 2012: 101 Milliarden Euro haben die Eltern für den Unterhalt ihrer Kinder aufgewandt.

Der Familienbund der Katholiken in Bayern hat die finanziellen Leistungen der Eltern in Deutschland bilanziert.

Durchschnittlich haben Eltern in Deutschland pro minderjährigem Kind und Monat 549 EUR an Ausgaben getragen. Dazu zählen die direkten Aufwendungen für Ernährung, Kleidung oder Bildung der Kinder, aber auch der Mehrbedarf an Wohnraum oder Energie. Bei 13,3 Millionen Kindern ergab das eine elterliche Leistung von 88 Milliarden EUR.

Zusätzlich leisteten die Eltern studierender Kinder im Durchschnitt monatliche Unterhaltsleistungen von 504 EUR. Von den 2,4 Millionen Studierenden werden 89% von ihren Eltern finanziell unterstützt, und zwar mit einer Gesamtsumme von 13 Milliarden EUR in 2012.

Bezogen auf ganz Deutschland summierten sich die elterlichen Unterhaltsleistungen an ihre Kinder auf 101 Milliarden Euro im Jahr 2012.

Zum Vergleich: Der komplette Etat des Bundesfamilienministeriums lag im Jahr 2012 bei 6,8 Milliarden Euro. Das sind 6,7% oder ein Fünfzehntel des Betrages, den die Eltern für ihre Kinder aufgebracht haben.

Landesvorsitzender Dr. Johannes Schroeter: „Die Eltern in Deutschland leisten uneigennützig Großes für ihre Kinder und für unsere Gesellschaft.“

- – -

Hier können Eckdaten der Berechnung und weiterführende Links heruntergelden werden:
Leistungen Eltern 2012

Quelle: Familienbund der Katholiken in Bayern

Bild: Umberto Brayj, “20100502_12-23-26″, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

21.12.2012
von David Müller
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Rückblick 2012

In diesem Jahr wurden hier

  • 38 Artikel veröffentlicht (Vorjahr: 76)
  • 14.400 Artikel gelesen (Vorjahr: 11.000). Das sind ca. 1.200 pro Monat und ca. 40 pro Tag.
  • 17 neue Freunde auf Facebook gewonnen (aktuell: 389)
  • 27 (Vorjahr: 25) Kommentare hinterlassen

Der meistgelesenste Artikel (1.344 x) war:
Bundestag berät am 14.04.11 in erster Lesung über PID

Vielen Dank für Ihre Treue zu diesem Projekt!

Es wäre schön, wenn Sie auch im kommenden Jahr diese Seite besuchen, gute Artikel weiterverbreiten und Kommentare schreiben würden.

Frohe Weihnachten, alles Gute und Gottes Segen für 2013!

Bild: Frank Rosskoss  / pixelio.de

15.12.2012
von David Müller
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Krippenbetreuung ist Belastung für das Kind

Der Psychiater, Psychoanalytiker und Autor Dr. Hans-Joachim Maaz hat als einer von 24 Fachexperten einen Appell gegen die massive staatliche Krippensubvention unterzeichnet, der vor den negativen Auswirkungen von Krippenbetreuung eindringlich warnt. Im Interview mit FreieWelt.net sprach der Vorsitzende des Choriner Instituts für Tiefenpsychologie und psychosoziale Prävention über die Gefahren früher Fremdbetreuung, die Bedeutung fester Bindung für die spätere Entwicklung des Kindes und fordert, Mütter und Familien stärker zu unterstützen.

Dr. Maaz, Sie sind einer von 24 Fachexperten, die den Appell „Krippensubvention ist „Fernhalteprämie“ von der Elternliebe“ unterzeichnet haben. Die Bundesregierung unternimmt derzeit alles dafür, so viele Krippenplätze wie möglich zu schaffen. Warum halten Sie das für falsch?

Die psychotherapeutische Forschung und Erfahrung, die Säuglings- und Kleinkindforschung und die Hirnforschung haben die Entwicklungsbedingungen des Kindes wissenschaftlich gesichert. Dabei ist vor allem die Qualität der ersten Beziehungserfahrungen für die Entwicklung des Kindes von zentraler Bedeutung. Die Mutter hat deshalb eine herausragende Wichtigkeit, weil sie durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit die ersten Erfahrungen des Kindes nachhaltig prägt – bis zur Entwicklung des Gehirnes. Diese Bedeutung der Mutter kann in den ersten 3 Lebensjahren nicht ohne wesentliche Wirkung auf das Kind delegiert werden (z.B. auf den Vater, Geschwister, Großeltern, Tagesmutter, Krippenerzieherinnen). Jede Trennung des Säuglings von der Mutter bedeutet Stress für das Kind, der nur durch die Erfahrung, dass die Mutter sicher wiederkommt und zur Verfügung steht, gemildert werden kann. Deshalb ist eine Krippenbetreuung – je früher umso mehr – immer eine schwere Belastung für das Kind.

Den Appell haben auffallend viele ostdeutsche Psychologen und Psychotherapeuten unterzeichnet. Inwiefern spielen Ihre Erfahrungen mit den Auswirkungen flächendeckender Kleinkind-Betreuung in der ehemaligen DDR hier eine Rolle?

Es gibt in der Psychotherapie keinen erwachsenen Patienten, dessen Erkrankung nicht ihre Wurzeln in der frühen Kindheit hätte. In der DDR war Krippenbetreuung eine wesentliche Ursache für akute und spätere psychische und psychosomatische Erkrankungen. Krippenerziehung war schon wie eine „Diagnose“.

Aber haben sich Kindertagesstätten in den letzten über 20 Jahren nicht entschieden weiterentwickelt? Die Kitas von heute sind doch mit Einrichtungen in der DDR nicht wirklich vergleichbar?

Das ist sicher richtig, dass sich die Kitas und die Betreuungsqualität weiterentwickelt haben, aber auch nicht in jedem Fall. Dennoch kann Krippenbetreuung niemals ausreichend gute Mütterlichkeit bieten, da der individuelle Kontakt, der Körperkontakt, die Empathie für das einzelne Kind niemals optimal sein können (der Wechsel von der Mutter zu einer Fremdperson ist immer traumatisch für den Säugling). Die Qualität einer Krippe hängt ab vom Personalschlüssel, den emotionalen Fähigkeiten des Personals, der Stimmung, der Atmosphäre, dem Leitungsstil, der Betreuungsideologie – wie viel konkrete Liebe bleibt für ein Kind?

Heute wird im Zusammenhang mit Kinderkrippen und Kindergärten immer von Bildungseinrichtungen gesprochen. Eltern, die ihre Kinder nicht in eine Kita geben, würden deshalb ihre Kinder von frühkindlicher Bildung fernhalten. Was halten Sie insbesondere bei der U-3-Betreuung davon?

Ich halte „frühkindliche Bildung“ für ein tragisches Missverständnis. Säuglinge und Kleinstkinder brauchen keine Bildung, sondern Bindung. Sicher emotional gebundene und geliebte Kinder gewinnen damit die wichtigste Voraussetzung für ihre Bildungsfähigkeit. Der entscheidende Unterschied liegt zwischen „aufgezwungener“ Bildung und einem inneren Bildungsbedürfnis bei emotional gesicherten und bestätigten Kindern.

Ein weiteres Argument der Unterstützer des Krippenausbaus ist die Notwendigkeit sozialer Kontakte für die Kinder. Brauchen nicht auch schon kleine Kinder die Nähe zu Gleichaltrigen?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Entwicklungspsychologie. Grob gesagt brauchen Kinder in den ersten 3 Jahren eine zuverlässig anwesende, empathische und liebende Bezugsperson (idealerweise die Mutter), ab dem 3. Lebensjahr beginnt eine natürliche Ablösung von der Mutter und das Bedürfnis nach erweiterten Sozialkontakten. Deshalb sind Kinderkrippen meistens schädlich für die Entwicklung des Kindes, aber Kindergärten sehr hilfreich.

Sie sagen „in den ersten drei Jahren werden die Weichen gestellt, wie seelisch gesund oder in welchem Ausmaß gestört“ Kinder im späteren Leben sein werden. Wie wirkt sich diesbezüglich der Besuch einer Kinderkrippe auf die Entwicklung des Kleinkindes aus?

Krippenbetreuung bedeutet zu frühe Trennung von der Mutter, ungenügend individuelle Bestätigung des Kindes, begrenzte Empathie durch eine Fremdperson bzw. wechselnde Betreuungspersonen. Das Kind erlebt Angst, Bedrohung, Verlassenheit, Hilflosigkeit, mangelnde narzisstische Bestätigung als Ursachen für spätere Angst- und Panikzustände, Depressionen, Bindungsstörungen und vielfältige psychosomatische Störungen. Die Haupt-Erkrankungsbilder sind: Borderline-Störungen, narzisstische Persönlichkeitsstörungen und Neurosen.

Im Appell ist sogar von „kollektiver Kindesmisshandlung“ die Rede. Gehen Sie da nicht doch ein wenig zu weit? Immerhin werden laut Berechnungen der Bundesregierung künftig ca. 40 % der Kleinst- und Kleinkinder in staatlichen Kinderkrippen betreut werden.

Wenn die wissenschaftlichen Belege für die frühe Entwicklungspsychologie nicht zur Kenntnis genommen werden, verleugnet werden, diskreditiert („Herdprämie“) werden, wird damit gegen alle gesicherte Erkenntnis eine staatlich geförderte, kollektive Kindesvernachlässigung und Misshandlung propagiert und real umgesetzt.

Das würde dann ja aber heißen, dass jeder, der eine Krippe besucht bzw. besucht hat, mit schwerwiegenden Folgeschäden zu rechnen hat?

Im Prinzip ja! Aber entscheidend ist die Qualität der Frühbetreuung, die Qualität der ersten Beziehungserfahrungen. Es gibt natürlich (leider) auch schlechte, böse, kranke Mütter, die ihr Kind misshandeln, vernachlässigen, kränken, bedrohen, sogar töten. In diesen Fällen wäre eine Fremdbetreuung dringend geboten. Andererseits geht es um die Qualität einer Fremdbetreuung, die vor allem durch die emotionale Bindungs- und Empathiefähigkeit der Betreuungsperson bestimmt wird. Deshalb gibt es natürlich auch viele Menschen, die durch eine mangelhafte und traumatisierende Mütterlichkeit geschädigt sind, und Menschen, die durch eine gute Fremdbetreuung (Vater, Großeltern, Geschwister, Krippe) in den Folgen mütterlichen Versagens Hilfe, Unterstützung, „Therapie“ erfahren haben.

Es müsste keinen Streit um Mutter- oder Fremdbetreuung geben, wenn aus der Perspektive des Kindes gedacht und entschieden wird – was ist für das Kind das Beste?

Fremdbetreute Kinder sind doch nur für einen Teil des Tages nicht bei ihren Eltern, in den restlichen Stunden des Tages und am Wochenende bleibt doch noch ausreichend Zeit, fehlende Zuneigung zu kompensieren oder nicht?

Das Kleinkind versteht nicht, denkt nicht in systemischen Zusammenhängen. Dass die Mutter – aus welchen Gründen auch immer – nicht zur Verfügung steht oder nicht liebevoll und empathisch ist – kann vom Säugling und Kleinstkind nicht verstehend, intellektuell, rationalisierend verarbeitet werden – das geschieht erst wesentlich später, wenn schwerste Entbehrungen und Verletzungen aus den ehemaligen Bedingungen „verstanden“ werden. Frühe Bedürfnisse sind spontan, unmittelbar, vertragen keinen Aufschub. Was unmittelbar nicht befriedigt wird, kann nicht nachträglich erfüllt werden. Kompensation ist oft notwendig und schützt vor dem Erleiden schlimmster (lebensbedrohlicher!) Mangelerfahrungen, aber heilt nicht. Der ständige Wechsel zwischen Familie und Krippe ist sogar oft belastender als nur Fremdbetreuung. Es geht um die sichernde Erfahrung von Kontinuität der Beziehung, so dass das Kind lernen kann, mit den guten wie schlechten Beziehungsaspekten klar zu kommen und nicht durch Wechsel ständig labilisiert und verunsichert wird.

Ab wann sollten Kinder Ihrer Meinung nach frühestens außerhalb des Elternhauses betreut werden und in welchem Umfang?

Wie gesagt – keine Kinderkrippe (bis 3. Lebensjahr), wenn nicht dringend erforderlich, aber auf jeden Fall soziale Kontakte außerhalb der Familie ab 3. Lebensjahr, z.B. im Kindergarten. Die Zeit der Fremdbetreuung sollte sich nach den Möglichkeiten und Bedürfnissen des Kindes richten.

Sie fordern, die finanzielle Förderung der Kleinkindbetreuung zu stoppen. Was sollten Politik und Gesellschaft Ihrer Meinung stattdessen tun, um Familien besser zu unterstützen?

Dr. Maaz: In erster Linie sollten Mütter und Familien unterstützt werden. Wenn ein Krippenplatz etwa 1.000- 1.500 €/Monat kostet, warum wird diese Summe nicht der Mutter gegeben, damit sie für ihre Mutter-Funktion gute materielle Voraussetzungen hätte.

Zu fordern sind:

- Information und Wissen zur Entwicklungspsychologie, zur Bedeutung von Mütterlichkeit und Väterlichkeit breit öffentlich zu vermitteln
- Elternschulen
- nicht nur körperliche Geburtsvorbereitung, sondern auch emotionale (für gute Mütterlichkeit)
- natürliche Entbindungen favorisieren und nicht Kliniksentbindung oder Kaiserschnitt
- individuelle Hilfen für Eltern für die Kinderbetreuung (soziale, psychologische, medizinische, therapeutische Beratung und Unterstützung)
- differenzierte Betreuungsformen nach den Bedürfnissen des Kindes finden.

Dabei muss Familienbetreuung und Krippenbetreuung entsprechend analysiert und bewertet werden, um entsprechende Optimierung finanzieren zu können.
Am allerwichtigsten ist, die Bedeutung der Frühbetreuung aus der Fehleinschätzung in der öffentlichen Diskussion zu befreien und zu vermitteln, was gute Mütterlichkeit und gute Väterlichkeit sind und wie sie entwickelt werden können.

Das größte Problem sehe ich darin, dass Menschen, die selbst Folgen von frühen Betreuungsstörungen in sich tragen, in der Politik, in der Meinungsbildung, in der realen Betreuung von Kindern immer in Gefahr sind, bessere Verhältnisse unbewusst zu verhindern, um nicht an eigene Defizite erinnert zu werden.

Lesen Sie hier den Appell.

Mit freundlicher Genehmigung von FreieWelt.net

Bild: Rike / pixelio.de

08.12.2012
von David Müller
1 Kommentar

Die Hauptverdienerin

von Eckhard Kuhla

Die große Familiendebatte liegt noch vor uns. Hinter den Gegnern des Betreuungsgeldes steht eine überwiegend gleichgeschaltete Medienwelt. Es wird diffamiert, “Zickenkriege” zwischen Müttern geführt, ohne dass man weiß, ob das eine breite Mehrheit unterstützt. Und kaum hörbar: die Stimme für die oder von den Kindern…

Das Betreuungsgeld ist durch, aber die ideologische Debatte über die Familie wird an Stärke zunehmen. Warum? Irritiert fragt der Bundesbürger nach dem Grund für die jahrelangen, unsäglichen Grabenkämpfe um das Betreuungsgeld. Als ob es um die Zukunft des Landes geht… Es geht.

Es ging nicht nur um die Verabschiedung eines Gesetzes oder um das innerparteiliche Vorgeplänkel, sondern um die Rolle der Frau als  Mutter und um unsere kommende Generation und damit in der Tat um die Zukunft unseres Landes. Es geht auch um den Staatsfeminismus,  der bisher mit seinen unterschwelligen Agitationen die Öffentlichkeit bewusst gemieden hat.  Wir wurden mit der Bundestagsdebatte  erstmalig  Zeuge des  jetzt offen ausgetragenen Kampfes um die Deutungshoheit in der Familienpolitik. Für Ministerin Schröder ist das der Kampf zweier Rollenleitbilder: auf der einen Seite das feministische, einer selbsternannten  Quasi -”Frauenelite” und auf der anderen Seite das “klassische” Familien-Leitbild.

Ob das knappe Abstimmungsergebnis für das Betreuungsgeld  im Bundestag das Stimmungsbild im Lande wiedergibt war, sei dahingestellt. Es zeigt aber, dass der Staatsfeminismus nicht unbedingt so fest in der Politik – geschweige denn in der Bevölkerung – verankert ist, wie es bisher den Anschein hatte. Denn Frauenförderprojekte wurden bisher (mehrheitlich von Männern) im Bundestag durchgewunken. Einesteils wohl aus Unwissen, andernteils aus Desinteresse (“Gedöns”).  Auf diese Weise gelang dem Staatsfeminismus ein erfolgreicher Marsch durch die Institutionen – und das nur in gut 10 Jahren. Größter, kaum bekannter “Erfolg”:  eine bis zu 40% erreichte Frauenquote im öffentlichen Dienst mit Einflußnahme auf Beförderungen, Bewerbungen und Haushaltsabstimmungen.

Die Abstimmungsniederlage für den Staatsfeminismus bedeutet somit  keineswegs Verlust an politischem Einfluss, dazu ist die Infrastruktur der Unterstützer-Kohorten des Staatsfeminismus viel zu einflussreich und durch Pfründe abgesichert.

Die Theorie des Staatsfeminismus  besteht aus Hypothesen zur Geschlechtsentwicklung des Menschen,  der hypothetischen Gendertheorie nach Judith Butler. Allerdings gibt es keine geschlossene Darstellung des politischen Programms des Staatsfeminismus. Darum folgt hier der Versuch einer kurzen und und verschwörungsfreien (!) Darstellung, die erkennbaren  Mosaiksteine der feministischen Familienpolitik zu einem verständlichen Ganzen  zusammenzufügen. Das ist notwendig, um die noch immer zu erwartende Endlosdebatte über das Betreuungsgeld in seiner strategischen Bedeutung besser einordnen zu können:

Die Ikone “Haupternährerin”

Das allem voranstehende Modell, quasi die Ikone des Staatsfeminismus auf dem weiteren Weg zur Macht, ist ein zukünftiges Rollenbild für die Frau, wir nennen es hier das “Hauptverdienerin”-Modell. Es beschreibt die Befreiung der Frau von der klassischen Ernährerrolle des Mannes.  Die darauf folgende viel stärkere Abhängigkeit von ihrem “Arbeit-Geber” wird dabei von Medien und Politik  geflissentlich übergangen (nannte man das nicht früher “Ausbeutung”?!).  Selbstredend wird dieses Modell  neben dem DGB auch vom Frauenministerium gefördert: www.familienernaehrerin.de

Dass durch diese revolutionäre Rollenumkehr die klassischen Mann/Frau-Rollen allmählich aus der Balance geraten, ist Programm. Letzteres nennt sich “Vereinbarkeit von Beruf und Familie”. Norbert Bolz dazu: “Die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie ist die Lebenslüge der Gleichstellungspolitik“. Zwei Projekte, zwei Modelle sollen die Vereinbarkeit politisch untermauern:

- Modell “Krippe”

Die zukünftige Hauptverdienerin ist DAS politische Projekt einer feministischen Familienpolitik.  Kinder sind dabei quasi eine Art “Störgröße” in ihrem Lebensentwurf.  Folgerichtig muss die Politik für die Fremdbetreuung der Kleinstkinder (1 bis 3 Jahre) in Krippen sorgen. Das hat überdies den Vorteil, die Kleinstkinder in den Krippen mit feministischen Rollenbildern “umzuerziehen” (Spiegel 01/2007).  Erinnert dieses Phänomen nicht  an all die vielen menschenverachtenden Versuche von Staatsideologien, die Kinder in staatlichen Einrichtungen  zu indoktrinieren? Deswegen wird dieser historische Hintergrund in der öffentlichen Debatte ausgeklammert. Vielmehr sollen Propagandagesichter glücklicher Krippenkinder mögliche psychosoziale Langfristfolgen überdecken. Dass die Krippenbetreuung für viele familiäre Situationen die einzige Alternative sein kann, braucht nicht weiter vertieft zu werden.

Das zweite Instrument für die Sicherstellung der Vereinbarkeit ist das

- Modell “Rollentausch”

Für die Ikone “Haupternährerin” hat die Frauenlobby in den letzten Jahren zunächst das Rollenbild “Mann” zerstört,  mit der Begründung, es sei ein zu überwindendes, stereotypes Rollenbild (SPD Leitlinie).  Dann nahm man sich das Rollenleitbild für die Familie vor:  Wer übernimmt im Falle der Vollzeitfrau den Haushalt und die Kinder? Für die neue Balance zwischen Mann und Frau geht Frau davon aus, dass Mann bzw. Vater  sich an den häuslichen Arbeiten beteiligt. Wenn das nicht möglich ist, muss der Über-Vater, der Vater “Staat”, eingreifen. Seine Instrumente sind: das Elterngeld, welches logischerweise die Doppelverdiener bevorzugt, und die Krippenbetreuung, siehe oben.

Im beruflichen Bereich hat die “Vollzeitfrau” zwangsläufig einen Verdrängungswettbewerb für die bisher männlichen Vollzeitstellen zur Folge. Was liegt näher, als mit  Programmen wie “Männer in die Pflegeberufe”, “Männer in Teilzeit” oder mit dem  Elterngeld das (freiwillige!) Platzmachen der Männer für die Vollzeitfrauen  und das Platzeinnehmen der Männer in Haus und Familie  zu erleichtern? Damit schließt sich der Kreis. Süffisant könnte man das letzten Endes als  “Win/Win Situation” für alle Beteiligten beschreiben.

Interessanterweise wird die “Hauptverdienerin” im Schulterschluss mit dem Frauenministerium zunehmend von der Wirtschaft  unterstützt, mit der Argumentation des  sogenannten “Fachkräftemangels”. Begleitet wird die aktive Veränderung der Rollenbilder seit Jahren mit einer z.T. staaatlich finanzierten Medienkampagne (Stichwort: “Frauenpower”) . Beispielsweise  auf der

  • semantischen Ebene durch demonstrativ-bestärkende  Verallgemeinerungen wie  “Frau kann alles” (vor allem besser als Männer…), “Frauen vor”, “DIE modernen Frauen…”, oder “DIE modernen Männer…” etc.  Auf der
  • visuellen Ebene durch überdurchschnittliche Frauenpräsenz auf Presse- und Werbefotos oder in Tatortserien mit einem 5-mal so großen Anteil von Kommissarinnen als in der Realität und auf der
  • Ebene der Rollenbilder: “Männer, die liebenswerten Trottel, Frauen die Multitasking Powerfrauen”, so der 7. Familienbericht. Das “Lächerlichmachen” (Mysandrie) von Männern, beispielsweise in TV-Filmen, gehört auch zu diesem ungeschriebenen Programm.

Männer werden weiblicher,  Frauen männlicher,  Schaufensterpuppen werden androgyner. Sind das schon Folgen der jahrelangen Medienkampagne?  Worin die wirklichen Ursachen dieser Phänomene liegen, ist wissenschaftlich bisher kaum untersucht.

- Modell “Umerziehung”

Wie in Staatsideologien üblich, beginnt die Indoktrinierung der Bevölkerung bei der jungen Generation in den staatlichen Bildungsanstalten. Mit überwiegend weiblichem Lehrpersonal erfolgt besonders die Feminisierung der Jungen (Slogan: Doing Gender). Jungen werden eingegrenzt in ihrer natürlichen Wildheit und kaum gefördert durch männliche Vorbilder. Im Gegenteil: das Wort “männlich” wird mit den Jungen (und Mädchen) im Unterricht in Frage gestellt und die freie  Geschlechtswahl propagiert,  Stichwort “Gender Diversity”.  So werden die Jungen auf ihre neue Rolle in der Familie und  in den  Pflegeberufen vorbereitet. Diese Art von Umerziehung wird erleichtert durch fehlende  Vätervorbilder in Familie, Gesellschaft  und in den Medien.

- Modell “Frauenquote”

Nach über 10 Jahren erfolgreicher Quotenpraxis im öffentlichen Dienst, nach Aufweichung klassischer Rollenbilder für Mann und Frau in Politik und Medien, nach einer Integration der Genderpädagogik in den Schulen, rüstet sich die Frauenlobby derzeit für die letzte Bastion bei ihrem Marsch durch die Institutionen. Es ist der Einstieg in die Privatwirtschaft über die Frauenquote,  dem Königsweg auf  dem Wege zur Macht. Das Hin und Her der Quote in der Politik ist mittlerweile nur noch eine idelogisch geprägte Polit-Show, kein ernstzunehmender, geschweige denn wissenschaftlicher Diskurs. Im Personalmanagement hat die Quote auch ohne Gesetz schon längst Einzug gehalten. Man richtet sich ein. In einer Art vorauseilendem Gehorsam werden zunehmend in den Personalentwicklungsplänen für Führungskräfte bereits jetzt schon Stellen für die zu erwartenden Seiteneinsteigerinnen freigehalten. Völlig unverständlich ist in diesem Falle der Mangel an Protest der Unternehmens-”Führer” gegen die Einflussnahme des Staates auf die Unternehmenspolitik.

Das Feld ist bestellt…

Der Staatsfeminismus kann sich auf eine breite Hausmacht in der Politik , Bildung und in den Medien verlassen. Hohepriesterinnen sitzen auf den fast 200 Gender-Lehrstühlen, fast 2000 Gleichstellungsbeauftragte sichern die Frauenförderung bundesweit. Kurzum: es hat sich eine breit aufgestellte Genderindustie, kaum bemerkt von der Öffentlichkeit (!), entwickelt. Diese Industrie wird im dreistelligen Millionenbereich gefördert. Jährlich.  Eine solche  Fördermentalität sichert selbstverständlich auch Pfründe für das  Weitermachen der Beteiligten.  Jedes Jahr – und das fast unkontrolliert durch demokratische Gremien. Das macht selbstsicher. Aber das Risiko, mit politischen Aktionen zu überziehen bzw. Widerstand zu erzeugen, nimmt zu.

Staatsideologien müssen häufig mit dem Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit kämpfen. Der Anspruch des Modells “Hauptverdienerin” besteht in allgemeiner Gültigkeit und bundesweiter Umsetzung. Dafür brachte zunächst die mediale Kampagne gegen das Betreuungsgeld im Bundestag nicht den gewünschten Erfolg. Und das Modell “Krippe”, die andere Voraussetzung für die Hauptverdienerin? Die hohe Zahl von nicht realisierten Krippenplätzen und die nicht ausreichende Zahl von Erziehern ist ein Skandal und ein Beispiel dafür, wie Politik scheitert, wenn sie vor lauter Erfolgen blind für das Machbare wird. Es ist auch ein Skandal, wie wir mit der Zukunft unserer Kinder umgehen.
Immer mehr drängt sich die Frage auf: Wo bleibt die parlamentarische Opposition, die beispielsweise die Durchführbarkeit des Krippenprogramms zur Debatte stellt?

Mit freundlichen Genehmigung von Agens e.V.

Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de

01.12.2012
von David Müller
2 Kommentare

Vom Kreisssaal in die Produktion?

“Vom Kreisssaal in die Produktion”, so könnte man satirisch das Interesse der Wirtschaft an der Frauenrolle beschreiben. Die Aussetzzeit von jungen Müttern ist immer ein Problem der Feministinnen gewesen und nun auch des Wirtschaftsverbandes BDA.

Mit der BDA-Forderung nach Kürzung der Elterzeit ist die Wirtschaft mit dem Staatsfeminismus eine Liaison eingegangen, die auf reine Lobbyinteressen aufbaut. Diese Liaison ist an Suffisanz nicht zu überbieten. Was die Mehrheit der Frauen will, ist von sekundärer Bedeutung. Quo vadis Feminismus? Die (“ehemals”?)  linken Wurzeln des Feminismus werden so auf dem Altar des “Kapitals” geopfert. Unfassbar.

Hier zu diesem Thema ein Gastkommentar von Johannes Resch (Erstveröffentlichung in der Mittelbayerischen Zeitung am 26. 11. 2012):

Ich reibe mir die Augen. Da fordert der Arbeitgeberverband (BDA) und sein Präsident Dieter Hundt eine Verkürzung der Elternzeit auf ein Jahr und erklärt die Kleinkind-Betreuung zur „Kernaufgabe des Staates“. Warum? Um der Wirtschaft möglichst viele Arbeitskräfte zuzuführen, was die Lohndrückung erleichtert?

Die Wirtschaft hat sich an die angebliche „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ gewöhnt, die Eltern ins Hamsterrad und Kleinkinder in die Krippen treibt. Dass immer mehr Eltern im „Burn-out“ landen, interessiert die Wirtschaftsbosse ebensowenig wie der Stress, dem die Kinder in der Krippe und durch ihre ebenfalls gestressten Eltern ausgesetzt sind. Eltern gelten als „Arbeitsmaterial“ und Kinder als lästiges Beiwerk, für das wie bei einer Krankheit für ein Jahr „Verdienstausfall“ gezahlt wird, schönfärberisch „Elterngeld“ genannt. Ein Eigenwert wird der Kindererziehung nicht mehr zuerkannt. Wer trotzdem seine Kinder selbst erziehen will, dem wird die Gleichberechtigung abgesprochen, da nur noch die Gleichschaltung im Erwerbsleben zählt.

Das erinnert an den Frühkapitalismus. Nachdem die „Diktatur des Proletariats“ gescheitert ist, kommen wir der „Diktatur des Kapitals“ immer näher. Diese kommt nicht mit Polizeigewalt daher. Die Wirtschaft hat andere Mittel. Sie arbeitet mit Geld. Den Eltern werden nicht die eisernen, sondern die finanziellen Daumenschrauben angezogen bis sie parieren. Diese Diktatur kommt auf leisen Sohlen durch die Hintertür.

Inzwischen hat die Wirtschaft nicht nur die Politik, sondern auch die Sozialwissenschaft unterwandert. Vorbei sind die Zeiten einer unabhängigen Kritik wie noch im 5. Familienbericht. Der 7. und 8. Bericht wurde zur Hofberichterstattung für die wirtschaftshörigen Regierungen rot-grüner, schwarz-roter und schwarz-gelber Färbung.

Um glaubwürdig zu erscheinen, wird nach pseudowissenschaftlichen Mäntelchen gesucht, die Otto Normalbürger nicht gleich durchschaut. So erstellt etwa ein mächtiger Wirtschafts- und Medien-Konzern obskure „Studien“ z. B. mit dem Ergebnis, der Aufenthalt in einer Krippe führe später zu einem um 40% häufigeren Besuch eines Gymnasiums. Flugs wird noch ein „Netto-Nutzen“ in Milliardenhöhe errechnet, der bei Erhöhung der Krippenquote eintrete. Das verbreitet der Konzern dann über die eigenen Medien, gedankenlos nachgeplappert von ARD und ZDF.

Würde das stimmen, wäre die DDR wissenschaftlich und wirtschaftlich erfolgreicher als der Westen gewesen. War sie das? Ich spare mir die Antwort. Die Schüler/innen, die dort fast alle in der Krippe waren, hatten bei PISA 2000 keine besseren Ergebnisse. Aber sie zeigten bei der „sozialen Kompetenz“ in allen neuen Bundesländern durchweg schlechtere Werte als in den alten. Das stimmt mit großen Untersuchungen in den USA überein, die deutlich höhere Risiken für die spätere soziale Entwicklung bei früher Krippenbetreuung zeigten.

Warum bleibt das in unseren Massenmedien unbeachtet?  Die Antwort ist traurig: Der Inhalt einer Nachricht spielt keine Rolle mehr. Was nicht zum „Mainstream“ passt, wird ignoriert; was passt, wird dagegen großartig hinausposaunt, auch wenn es noch so unsinnig ist. – Als ehemaliger DDR-Bürger habe ich immer häufiger ein Déjà-vu.

Mit freundlichen Genehmigung von agens e.V.