Wertepolitik

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Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern

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Ein Beitrag von Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher

Nun ist mit der Festlegung, dass eine Ehe auch zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern geschlossen werden kann, in Deutschland geschehen, womit auf Dauer sowieso jeder gerechnet hat, sei es, dass die CDU nach der Bundestagswahl in der neuen Zusammensetzung und Koalition einen weiter schrumpfenden Anteil an „Konservativen“ gehabt hätte, sei es, weil Frau Merkel abgewählt worden wäre.

Mich persönlich hat erstaunt, wie wenige CDU-Abgeordnete für die „Ehe für Alle“ gestimmt haben, ich hätte den Anteil der Befürworter höher eingeschätzt. Für viele ist das Ganze ein Beispiel für die Wendefähigkeit der Bundeskanzlerin. Ich habe da eine andere Sicht, aber solch politische Einschätzungen sind bekanntlich Einschätzungssache und nicht dogmatische Entscheidungen: Wir sollten Frau Merkel danken, dass sie diese Abstimmung zwölf Jahre verhindert hat (auch in der Koalition mit dem FDP-Vorsitzenden Westerwelle), denn nur durch die Verhinderung der Abstimmung oder das heißt mit der Drohung des Koalitionsbruchs ging das. Hätte eine Abstimmung vor drei, sechs oder neun Jahren stattgefunden, wäre das Ergebnis klar gewesen, da auch ein Nein aller CDU/CSU-Abgeordneten nicht gereicht hätte. Dass die Bundeskanzlerin in dem Moment, wo der Plan bekannt wurde, am letzten Sitzungstag vor der Wahl eine Abstimmung zu erzwingen (weil dann eine Drohung mit Koalitionsbruch keinen Sinn mehr macht und auch für CDU/CSU-Abgeordnete der Koalitionszwang sowieso nicht funktioniert), die Abstimmung frei gegeben hat, mag man kritisieren, am Abstimmungsergebnis hätte das so oder so nichts geändert.

Aber was hat das mit uns zu tun? „Das Gericht muss am Haus Gottes beginnen.“ Unser Land wird nicht geheilt, wenn Frau Merkel dies oder das tut, sondern wenn das Volk Gottes „sich demütigt und betet und von seinen bösen Wegen umkehrt“ (2. Chronik 7,14). Es waren evangelische Kirchen, die vor vielen Jahren Homosexualität von der Liste der Sünden absetzten. Später kamen sie (nicht die Lobby der Betroffenen) auf die Idee, man könnte gleichgeschlechtliche Paare in der Kirche segnen. Das eröffnete den Weg der moralischen Anerkennung in der Breite der Gesellschaft und brachte die Lobby erst auf die Idee, statt des früheren „wir sind das Gegenteil von bürgerlich“ und „wir lassen uns in kein heterosexuelles Korsett zwingen“ den gegenteiligen Weg durch die Instanzen zu wählen.

Ich beobachte nicht nur eine große Feigheit, wenn es um diese Thematik geht – fast alle auch evangelikalen Stellungnahmen klammern aus, dass Homosexualität Sünde ist und deswegen nicht Grundlage einer Ehe sein kann, gleich wie man seelsorgerlich im Einzelnen mit Homosexuellen umgehen mag. Es ist zu wenig zu sagen, dass das Lebenspartnerschaftsgesetz doch reiche. Ich beobachte neben der Feigheit zweierlei: Die fehlende Bereitschaft, als Gemeinde Jesus eine geistliche Parallelgesellschaft zu sein, die anders lebt. Lasst den Staat doch seine Ehegesetze machen, wie er will, in vielen Ländern sagt der Staat, dass man mehrere Frauen haben kann, in anderen gibt es die Ehe auf Zeit. Aber was ist mit der Ehe in der Gemeinde? Als ich 1995 in meiner Ethik die evangelikalen Kirchen aufforderte, eigene Ehestandsregister aufzubauen und zu unterscheiden, ob jemand zivil verheiratet ist oder nach biblischen Maßstäben, schüttelten viele den Kopf. Jetzt sind drei Jahrzehnten verloren und das Thema ist tot.

Noch schlimmer finde ich aber die Sprachunfähigkeit der Christen und der Gemeinden. Die steilen Forderungen, die CDU/CSU solle es richten, oder jetzt das Bundesverfassungsgericht, standen und stehen auch jetzt noch oft in keinem Verhältnis zu 1. gediegener, biblisch klarer, aber ebenso auch offen und ehrlicher, seelsorgerlich ausgerichteter Lehre zum Thema Sexualität und Homosexualität in der Gemeinde und 2. zu harter Arbeit daran, wie wir die Thematik unseren säkularen Zeitgenossen vermitteln können, für die das Thema längst abgehakt ist. Theologische Ausbildungsstätten müssen den Studenten die nötige Sprachfähigkeit vermittlen, damit sie sowohl biblische Wahrheiten so in der Gemeinde kommunizieren, dass auch von unserer modernen Umwelt geprägte Christen sie schätzen lernen und wiederum lernen, an andere weiter zu geben, als auch, damit sie in der Lage sind, diese Wahrheiten mit Wissen, gesundem Menschenverstand und Liebe außerhalb der Gemeinde weiterzugeben. Ich habe selbst als Student mit Freunden Schwulenbars in unsere Wohngegend besucht und dort stundenlang mit anderen diskutiert. Was ich dort gelernt habe, hilft mir bis heute, auch wenn ich weiß, dass das heute nicht mehr so einfach ist, weil schnell Gewalt ins Spiel kommt. Mut und Sprachfähigkeit gehören zusammen und müssen Teil der Leiterschaftsausbildung sein.

Prof. Thomas Schirrmacher ist
* Präsident, Internationaler Rat, International Society for Human Rights (Frankfurt)
* Direktor, Internationales Institut für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo)
* Stellvertretender Generalsekretär und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (Bonn)
* Moderator für zwischenkirchliche und interreligiöse Beziehungen der Weltweiten Evangelischen Allianz (Bonn)
* Vorsitzender des Beirates des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland e. V. (München)
* Professor für Religionssoziologie, Staatl. Universität des Westens (Timisoara, Rumänien)
* Rektor, Martin Bucer Seminar (Bonn, Zürich, Innsbruck, Prag, Istanbul, Sao Paulo)

(zuerst veröffentlicht in MBS aktuell 1/17)

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2 Kommentare

  1. Vergessen wir nicht: der kirchliche Türöffner für die Genderideologie ist die Frauenordination. Mag heute jemand daran rütteln? Fakt ist: Alles begann mit einer schwärmerischen Auslegung von Galater 3,28 „Da ist weder Mann noch Frau, sondern alle sind einer in Christus.“ Statt EINER ließen wir GLEICH zu, und das war einfach nur fatal

  2. „Noch schlimmer finde ich die Sprachunfähigkeit der Christen und der Gemeinden“. Dem kann ich nur zustimmen. Vielen Dank für den Hinweis auf diesen Artikel.
    Zur CDU/CSU hätte ich mir gewünscht, dass die Abgeordneten, die gegen die Ehe für alle gestimmt haben, den nächsten Schritt gegangen wären: Einreichung einer Normenschutzkontrollklage. Dies entspräche den zwei Punkten, die Prof. Schirrmacher von den Christen fordert, klar und deutlich einzustehen für ein christliches, biblisch fundiertes Menschenbild und für das Recht, wie es im Grungesetz steht. Und da fehlt den Abgeordneten als auch des CSU-geführten Landesregierung von Bayern die Courage. Warum? Weil sie letzten Endes doch auch vom Zeitgeist weichgespült sind wie die Kirchen?

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